Monatsspruch Oktober 2020

„Suchet der Stadt Bestes und betet für sie zum HERRN; denn wenn's ihr wohlgeht, so geht's euch auch wohl.“  Jeremia 29, 7

 

Liebe Leserinnen und Leser,

was ist gerade das Beste für unsere Stadt, unsere Welt? Masken tragen, Abstand halten? Oder ist das nicht so wichtig? Ich habe gerade die Bilder von den Demonstranten in Berlin auf den Treppen des Reichstags vor Augen. Ein Angriff auf unsere Demokratie, wie es scheint. Der Prophet Jeremia schrieb die Worte: „Suchet der Stadt Bestes…“ um das Jahr 597 v. Chr. in Jerusalem an Menschen im Exil. Nach einem verlorenen Krieg waren sie verbannt worden und lebten in der Fremde, in Babylon, unter feindlicher Führung. Suchet für diese Stadt Bestes, nicht etwa für eure Heimatstadt Jerusalem, ist hier gemeint. Bringt euch ein, statt euch zu verweigern, mischt euch ein, statt euch abzukapseln, baut auf, statt zu zerstören. Wer Gott vertraut, kann sich einlassen voll und ganz in die Zeit, in der er oder sie lebt. Das gilt auch für uns heute. Wie kommt es aber, dass, auch wenn wir gerade unter Corona leiden, Menschen auf die Straße gehen und sämtliche Ordnungen und Regeln verletzen, Politikern Morddrohungen schicken und sie provokativ auf Plakaten verunglimpfen, wenn wir doch, Gott sei es gedankt, nicht unter einem feindlichen Unrechtsregime leben? Eine demokratisch gewählte Regierung sucht in Deutschland mit Wissenschaftlern und Experten nach dem Weg aus der Krise und ihr Blick gilt dabei gerade auch den Schwachen, den Alten und Kranken. Das zeichnet bei aller Fehlerhaftigkeit und Verbesserungswürdigkeit des Systems ja eben die Demokratie aus. Es geht um Gemeinwohl, um Verantwortung und das Ganze der Gesellschaft. Ein gutes Leben für alle und nicht nur für eine Elite. Niemand von uns ist in der Ausübung seines Glaubens gehindert. Was also ist das Beste? Für Jeremia ist das ganz klar. Nicht Flucht aus der Welt, kein frommes Wegsehen ist angesagt, sondern Dienst am Gemeinwohl. Gerade wir Christen sind, so denke ich, aufgefordert zur Mitarbeit an einem gesellschaftlichen Klima, in dem es menschlich und gerecht zugeht. Und dabei gilt es offen zu sein und zu bleiben für Fremdes, Neues, nicht nur für Menschen, sondern auch für neue gesellschaftliche Impulse. Das ist schließlich begründet im Evangelium Jesu. Denken wir nur an das Wort Jesu, in dem er seine Jünger beauftragt, Salz und Licht der Welt zu sein oder an Paulus, der unser ganzes Leben als Gottesdienst versteht, also gerade auch den Alltag. Wenn wir in der Nachfolge Christi immer wieder auf die göttliche Botschaft der Liebe zu allem Lebendigen in Wort und Tat verweisen, stärkt das gerade unseren Glauben und haben wir als Christen und insgesamt als Kirche etwas zu sagen und beizutragen für unsere Stadt, unsere Welt. Ich finde es außerdem schon bemerkenswert dabei, dass wir zum Suchen aufgefordert werden. Suchen heißt doch: sich Mühe geben, heißt hinhören, andere zu Wort kommen lassen. Das bedeutet doch, dass man der Weisheit letzten Schluss noch nicht gefunden hat, dass man lernbereit und neugierig bleibt und offen für neue Einsichten. Und das Suchen hat noch eine besondere Verheißung. Wer sucht, der findet. Findet Mut und Lösungen, findet Mitmenschen und Freunde und - findet am Ende sogar Gott selbst. Bleiben wir also, so wünsche ich Ihnen und mir - Suchende. Gott, der zum Suchen rät und der sich finden lässt, der segne unser Dazulernen, Beten, Tun und Lassen.

Es grüßt im Namen des Kirchenvorstandes und der MitarbeiterInnen

Ihre Pfarrerin Jutta Gildehaus

Monatsspruch November 2020

„Gott spricht: Sie werden weinend kommen, aber ich will sie trösten und leiten.“   Jeremia 31, 9

 

                                                                                                                                 

Jahreslosung 2020:

"Ich glaube; hilf meinem Unglauben!"  Markus 9, 24